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10 August 2003

Stichwort: Rentenreform

Guido Hülsmann, Ludwig von Mises Institute (USA): Nach mehreren Jahrhundertreformen allein im letzten Jahrzehnt steht bald eine weitere Reform an, die das deutsche Rentensystem finanzierbar machen soll. Es ist allerdings zu befürchten, daß dabei wieder nur ein Reförmchen herauskommt. Zu viele der maßgeblichen politischen Persönlichkeiten wollen das bankrotte staatliche System mit aller Gewalt erhalten, anstatt den Weg freizumachen für innovative Formen der Altersvorsorge durch selbstgewählte Gemeinschaften.
Ein früherer Minister wurde vor kurzem mit den Worten zitiert, daß der Vertrauensverlust in das gegenwärtige System die schlimmste Frucht der Debatte der vergangenen Wochen sei. Es dürfte wohl zutreffen, daß es einen solchen Vertrauensverlust auf breiter Basis gab und daß dies die Lage unserer politischen Führung nicht einfacher gemacht hat. Aber die Lage der Bevölkerung hat sich infolge des Vertrauensverlustes gebessert – es ist eben unter allen Umständen vorteilhaft, daß man sich möglichst frühzeitig von seinen Illusionen befreit.
Ist es eine Illusion, daß die Renten sicher sind? Zweifelsohne, und außerhalb des kleinen Kreises der berufsmäßigen "Gesundheitspolitiker" wird diese Wahrheit auch kaum noch bestritten. Die Finanzierung unseres gegenwärtigen Rentensystems gleicht einem Pilotenspiel. Es funktioniert nur solange halbwegs gut, wie immer mehr Mitspieler gewonnen werden können. Sobald diese Voraussetzung nicht mehr zutrifft, kommt der Bankrott und die letzten Mitglieder beißen alsbald die sprichwörtlichen Hunde. Auch eine Erhöhung der Beiträge ist dann politisch nicht mehr tragbar, da die private Versicherungswirtschaft mittlerweile weitaus geringere Sätze anbieten kann.
Alles Gerede von der Interessensolidarität kommt an dieser einfachen Tatsache nicht vorbei. Die Privatwirtschaft kann's besser, und die Bürger wollen sich dort versichern, wo sie die besten Preise bekommen.
Das war übrigens noch nie anders. Selbst in den Tagen, als die Regierung Adenauer das gegenwärtige System ins Leben rief, waren es die geringeren Preise der staatlichen Versicherung – nicht die Solidarität mit den Volksgenossen, davon hatte man bereits mehr als genug gehabt – die die politische Rückendeckung verschufen. Damals konnte der Staat geringere Preise anbieten, weil er allein eine Versicherung auf Basis der sogenannten Umlagefinanzierung anbieten konnte. Diese anfänglichen Kostenvorteile des Umlageverfahrens haben sich aber seit langem schon in Luft aufgelöst. Die heutige staatliche Rentenversicherung ist teurer, starrer und leistet weniger als die Angebote der privatwirtschaftlichen Konkurrenz. Wie reagieren unsere Staatsmänner? Mit strengem Gesicht ermahnen sie die jungen Bürger, sich doch bitte schön "solidarisch" zu verhalten; wer aufmuckt wird als herzloser Unmensch an den medialen Pranger gestellt. Das nennt man Wein trinken und Wasser predigen.
Es ist stets vorteilhaft, sich von Illusion zu verabschieden. Die Altersvorsorge ist dabei keine Ausnahme. Es sind gerade diejenigen, die ihre Illusionen über die staatliche Rentenversicherung verloren haben, die heute damit beginnen, die wirtschaftliche Grundlage zivilierten Zusammenlebens in der Zukunft zu legen. Disillusionierte junge Menschen in Deutschland werden viele erprobte Formen der Altersvorsorge neu entdecken, z.B. die Lebensversicherung und die größere Familie. Und diese junge Generation, die sich von den selbstsüchtigen Illusionen der Älteren gründlich befreit hat, wird eines Tages auch bereitstehen, wirkliche Solidarität zu üben, wenn sie nämlich die Altersversorge der vom staatlichen System enttäuschten und ausgeplünderten Älteren übernimmt.
Was kann die hohe Politik tun, um diesen Prozeß zu fördern? Ganz einfach: Bitte einmal aus dem Weg gehen.

(Quelle: Neue Nachricht.de)

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